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„Subsidiarität“

Subsidiarität.

Kompliziertes Wort, aber wichtiges Prinzip. Eines von drei Prinzipien der katholischen Soziallehre. Manchmal lohnt es, den Groll gegen Fremdwörter beiseite zu schieben und sich auf deren Aussage einzulassen. Subsidiarität handelt davon, dass die Ebene, die am Besten geeignet ist, ein Problem zu lösen oder eine Aufgabe zu erfüllen, dies auch tun (können) soll. Das Gegenteil wäre der alles an sich ziehende Zentralstaat oder der völlig sich selbst überlassene Einzelne.

Subsidiarität teilt aber nicht nur auf. Subsidiarität und Solidarität gehören zusammen. Wo eine Ebene nicht ausreicht, hilft die nächste mit. So sind in Deutschland Ganztagsschulen gefördert worden. Nämlich mit einem Bundesprogramm zur Unterstützung der Kommunen.
Ein Bundesstaat, wie ihn Artikel 20 unseres Grundgesetzes festschreibt, kann nur subsidiär funktionieren. Wenn eine politische Ebene keine Aufgabe hat, braucht man sie auch nicht. Subsidiarität hat aber nicht nur etwas mit unserem Staat zu tun. Es gibt ein orientalisches Sprichwort, das lautet: „Wenn Du eine hilfreiche Hand brauchst, suche sie am Ende Deines Armes.“

Wir haben uns ein Stück weit zu sehr angewöhnt, die Lösung unserer Probleme von anderen zu erwarten. Der Ruf nach dem Staat erschallt mir oftmals zu schnell. Ich bin so erzogen worden, dass ich zunächst einmal für mich selbst Verantwortung habe. Als ich von der Grundschule aufs Gymasium kam, hat meine Mutter mir gesagt: „Das musst Du jetzt alleine schaffen. Dabei kann ich Dir nicht mehr helfen.“ Unabhängig davon, ob das stimmte – sie hat mir mit diesem Satz mehr geholfen als durch Nachhilfe in Latein. Und wenn der Nachbar krank oder arbeitslos ist, braucht man nicht auf das nächste Gesetz aus Berlin zu warten, sondern kann als Freund, Nächster, Betriebsrätin oder Bürgermeister mehr und schneller helfen. Und dass es hilft, darauf kommt es an.

Gastbeitrag: Münte in Weinheim

Von Dieter Lattermann

„Man muss das Leben nehmen, wie es ist, aber man darf es nicht so lassen.“

Ein 100 Jahre alter Genosse hat Franz Müntefering diesen Rat gegeben und damit offene Türen eingerannt. Der Rat ist kein Rezept für politisches Handeln, wohl aber eine Aufforderung, sich einzumischen und Veränderungen anzustreben. Das hat Franz Müntefering immer getan, und darüber hat er bei einer Veranstaltung „Im Gespräch mit Lothar Binding“ in Weinheim vorigen Freitag berichtet.

Eine Stadthalle voller Menschen erwartete den alten und neuen Parteivorsitzenden und Hoffnungsträger der Sozialdemokraten. Sie wurden nicht enttäuscht.

Franz Müntefering in Weinheim

Franz Müntefering in Weinheim

Es begann mit Erzählungen aus seiner Jugendzeit – neben dem fehlenden Geld für den Besuch einer weiterführenden Schule spielte auch die Vorliebe für den Fußball eine Rolle: „Volksschule war mir recht, da hatte ich mehr Zeit zum Fußballspielen“. Aber Bücher kamen dazwischen, von denen er reichlich konsumierte. „Menschen haben Verantwortung und müssen sich einmischen“, lernte er aus ihnen. 1966 trat Franz Müntefering in die SPD ein. Verantwortung, das ist etwas, was sich durch das Leben von Müntefering zieht. „Opposition ist Mist“, hat er einmal gesagt, Verantwortung muss man tragen, wenn man etwas erreichen will. Dem Pragmatismus redet er das Wort: „Wenn man ein Ziel hat, muss man nicht unbedingt in Schussfahrt dorthin kommen, vielleicht geht es im Slalom, aber auf keinen Fall im Kreisverkehr“.

Aber auch aktuellen Themen ging Müntefering nicht aus dem Weg: „Wir müssen über Grundsätze sprechen“, betonte er. Globalisierung und Finanzkrise werden Themen der kommenden Monate sein und, wie der notwendige gesellschaftliche Wandel stattfinden solle. „Darauf müssen wir Antworten geben“, sagte Müntefering, und „die müssen solidarische sein.“


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