Mit 'Soziales' verschlagwortete Einträge

Gastbeitrag von Jörg Schmidt-Rohr zum Thema „Günstiger Wohnraum Mangelware“

Jörg Schmidt-Rohr vom „Verein zur beruflichen Integration und Qualifizierung Heidelberg“ hat mir per E-Mail auf meinen Blog-Eintrag „Günstiger Wohnraum Mangelware“ geantwortet; er ist damit einverstanden, seine Antwort hier zu veröffentlichen:

Die Problematik des Umziehens ist in der Systematik des SGB II angelegt (ist auch ein uraltes Problem aus dem BSHG), aber es kommt immer darauf an, wie streng es vor Ort gehandhabt wird.

Dies wird aber leider – und da ist der Kreis nicht sehr „sozial“ – nur unter finanziellen Aspekten entschieden und die häufig große soziale Problematik zu wenig in den Blick genommen. Also, wie hoch ist die Miete über der Mietobergrenze, was kostet der Umzug, ist dauerhaft mit SGB II/XII leistungen zu rechnen etc.

Und weniger, wie lange wohnt jemand dort, welche soziale Auswirkungen hat es aus dem Umfeld gerissen zu werden etc. Andererseits ist es so, dass die zu hohe Miete weiter übernommen werden muss, wenn tatsächlich kein günstigerer Wohnraum zur verfügung steht.

Nur muss man sehr ausführlich und gründlich nachweisen, dass man sich intensiv bemüht hat und wirklich nichts zu finden ist. Und dann mit dem Sozialleistungsträger, wenn er es nicht akzeptiert, streiten.

Was eine neuere Entwicklung ist, ist, dass günstiger Wohnraum immer knapper wird. Sozialen Wohnungsbau gibt es nicht mehr, vieles wird modernisiert und damit zu teuer, die Zahl der armen Menschen nimmt zu. Das Angebot sinkt und die Nachfrage steigt.

Und wenn da nicht gegengesteuert wird (wieder Programme im sozialen Wohnungsbau auflegen) wird das eine immer größere Lücke. Eine gute Wohnungspolitik – auch in der Frage der räumlichen verteilung von günstigem Wohnraum, keine „Ghettos“ – ist Armutsprävention und Armutsbekämpfung im besten Sinne.

Immer mehr Minijobber

Zwischen August 2003 und Oktober 2007 ist die Zahl der Minijobber um 1,2 Millionen auf 6,7 Millionen gestiegen. Immer mehr haben ausschließlich diesen Minijob, nämlich 2,1 Millionen; die anderen jobben neben einem Hauptberuf (der anscheinend nicht zur Finanzierung des Lebensunterhalts ausreicht).

Minijobber sind außerdem immer häufiger „Doppel-Geringverdiener“: sie verdienen ohnehin nur wenig, also maximal 400 Euro, und haben noch dazu ausgesprochen niedrige Stundenlöhne. Wieviele Minijobber froh sind, für sich oder ihre Familien überhaupt etwas hinzuzuverdienen, oder wieviele ihre Jobs nur mangels Alternativen angenommen haben und als Ausbeutung erleben, ist nicht bekannt.

Der Staat jedenfalls „subventioniert“ diese Jobs durch pauschalierte Sozialversicherungsbeiträge – mit dem Ziel, dass Minijobber den Sprung in ordentliche Jobs schaffen. Ausgerechnet das ist aber nach Aussage des stellvertretenden Direktors des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Ulrich Walwei, kaum der Fall (FAZ, 19.04.2008)

http://doku.iab.de/kurzber/2006/kb2206.pdf
http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2008/report2008-01.pdf


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