Mit 'Berlin' verschlagwortete Einträge

Zurück aus Berlin oder: „Wie fanden Sie die Rede des Kanzlerkandidaten?“

Das „Vorher-Nachher“-Journalisten-Ritual „Was erwarten Sie von der Rede des Kanzlerkandidaten? – Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?“ geht mir regelmäßig einigermaßen auf die Nerven; immer diese Reduzierung auf Inszenierung, Rede, Minutenzahl des Schlussapplauses. Und diese in der Fragestellung zum Ausdruck kommende Degradierung der Anwesenden auf ein Publikum, das nur mal gut unterhalten werden will, und fürs Raumfüllen und Klatschen gut ist.

Frank-Walter Steinmeier

Parteitag ist doch viel mehr: Kristallisationspunkt für Programme, Meilenstein in Kampagnenplanungen, Ort der Selbstvergewisserung, Schauplatz innerparteilicher Demokratie, manches Mal ein historisch einschneidender Moment und ja – auch eine Art Familientreffen. Dieses Mal war es tatsächlich von allem ein bisschen. Wie einschneidend müssen die Historiker irgendwann später einmal bewerten. Ansonsten lässt sich heute schon sagen: Alles erfüllt – vom einstimmig verabschiedeten Regierungsprogramm bis zum Familientreffen beim Vorwärts-Presseabend am Samstag. Und die Rede von Frank-Walter Steinmeier war auch noch klasse.

Junge Teams

Da hätte mich dieses Mal also doch gerne ein Journalist fragen können. Hat aber keiner. Also schreibe ich es mal hier. Wirklich: Kämpferisch, authentisch, richtungsweisend. Das sagen wir immer? Dieses Mal stimmt’s auf jeden Fall. Jetzt geht’s los.

Danke für die Bilder an Thomas Vogt und den ParteitagsBlog der WebSozis!

Sonderparteitag in Berlin

Ich sitze mit unserer Europakandidatin Stella Kirgiane-Efremidis und Helen Heberer im ICE und lasse den eben zu Ende gegangenen Sonderparteitag in Berlin Revue passieren. Steinmeier ist nominiert, Münte gewählt, Stimmung gut. Jetzt geht’s also los.

Andrea Nahles hatte den Parteitag eröffnet. Ein „Sonderparteitag“ war es, weil die Partei sich zu ihren regelmäßigen, mehrtägigen Bundesparteitagen ansonsten alle zwei Jahre trifft, zuletzt 2007 in Hamburg als das Grundsatzprogramm verabschiedet wurde. Dieser außerordentliche Parteitag wurde wegen der Nominierung eines Kanzlerkandidaten und der Wahl eines neuen Parteivorsitzenden einberufen. Andrea sagte aber auch, dass dies ein „Sonderparteitag“ sei, weil er in ganz besonderen Zeiten stattfinde. Zeiten, in denen der Turbokapitalismus sein zerstörerisches Gesicht gezeigt hat. Zeiten, in denen der Glaube an freie Märkte einen entscheidenden Dämpfer erhalten hat. Zeiten aber auch, wo der Staat eine Renaissance als ordnende Kraft erleben kann und internationale Zusammenarbeit auch von denen anerkannt wird, die bislang dachten, sie kämen auch alleine zurecht. Als Optimist sehe ich in der Krise auch die Chance – auf bessere Regeln, auf mehr Kooperation, vor allem darauf, dass der Mensch wieder mehr ins Zentrum rückt. Denn Wirtschaft, Staat, Politik, sie sind letztlich für die Menschen da, darauf müssen wir uns wieder besinnen.

PS: „Wann wir schreiten Seit’ an Seit’“ muss ich jetzt endlich mal auswendig lernen, damit ich das nächste Mal ordentlich mitsingen kann.


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